Der Spaziergang

Die Sonne steht bereits eine Handbreit über den Wipfeln, doch ihre Wärme erreicht den ufernahen Pfad noch nicht. Aus der Ferne, wo die reetgedeckten Dächer des Dorfes hinter der Flussbiegung liegen, dringen die typischen Geräusche des erwachenden Morgens herüber: das dumpfe Klopfen einer Axt auf Holz, das schrille Krähen eines Hahns und das Läuten einer Glocke. Es sind gedämpfte Töne, die fast schon wie Hintergrundmusik klingen, während das Rauschen des Flusses den Platz einer Solistin einnimmt.

Nach nur wenigen Schritten, hinter der ersten Biegung, wo die alten Kopfweiden dichter stehen, verändert sich die Welt.

Wie abgeschnitten verstummen die Klänge des Dorfes. Fast schlagartig sind da nur noch die Stimmen der Natur: das stete, tiefe Glucksen der Strömung, dort, wo die dicken Steine im Flussbett liegen, ein leises Rascheln an der Uferböschung und das monotone Summen von winzigen Mückenschwärmen über dem Wasser.

Jeder Schritt klingt auf dem sandigen Weg merkwürdig gedämpft. Es sind noch die tiefen Rillen eines Wagens zu erkennen. Ob es wohl der Wagen der Wäscherinnen war?

Keine leichte Arbeit, die sie verrichten, und doch tun sie es mit einer Leichtigkeit, die einen staunen lässt.

Ohne es zu merken, haben deine Schritte dich hin zum Waschplatz gelenkt. Erstaunt siehst du, dass ein einige Wäschestücke wohl vergessen worden sind. Vielleicht wäre es gut, sie einzusammeln.

Noch zu finden: 5

Oh, das ging schnell! Alle Wäschestücke sind eingesammelt. Ein Arm voller Wäsche, und nun? Ob es wohl ein Fundbüro gibt? Der Gedanke ist etwas abwegig: So, wie du dieses Dorf inzwischen kennengelernt hast, geht dort nie etwas verloren, nicht einmal ein dunkles Geheimnis innerhalb der Familie. Ganz sicher ist: Irgendwer aus dem Dorf findet es schon, egal, um was es sich handelt, und er wird es unter die Leute bringen.

Bleibt immer noch die Wäsche: Wohin nur damit? Dir fällt der Wahlspruch aller Dorfbewohner ein, den du jetzt schon oft gehört hast: „Frag Jette!“