
It’s Tea Time

Jette sitzt im Sessel und sieht kein bisschen überrascht aus, als du auftauchst. Ganz im Gegenteil, sie scheint dich erwartet zu haben, ein Feuer prasselt im Kamin und der Teetisch ist gedeckt. Jette lächelt dich an, bevor sie beginnt zu sprechen:
„Nun kommen wir doch noch zu unserem Tee. Nimm dir einfach einen Stuhl, setz dich an den Tisch und wundere dich nicht wegen des dritten Gedecks. Das ist eine Angewohnheit von mir – man weiß ja nie, wer noch kommt.“
Du nimmst Platz, der Tee dampft in den Tassen, Jette zupft ihr Kleid zurecht, dann ein kurzes Nachdenken und sie fragt dich:
„Als Verwalterin des Dorfarchivs kann ich Dir sicher weiterhelfen. Suchst Du nach Informationen über einen bestimmten Ort, eine Person oder ein historisches Ereignis? Irgendwo in diesen alten Büchern und Schriftrollen verbirgt sich bestimmt das Richtige. Also, worüber wollen wir denn nun tratschen?“

Jette plaudert über sich
„Vielleicht willst du ja erst etwas über mich wissen?“ Es ist nicht Jettes Art, Antworten abzuwarten, darum beginnt sie sofort mit dem Naheliegenden:
„Meinen Namen kennst du ja schon. Hier ein paar Fakten über mich, bevor die Tinte verblasst – die meisten Leute sind ja ganz verrückt nach Fakten. Fangen wir mit meinem Alter an.“
In Jettes Augen blitzt ein amüsiertes Lächeln auf:
„Sagen wir so – ich habe genug Ringe unter den Augen und ausreichend Federn gelassen, um darauf die Antwort glattweg zu verweigern.“
Sie kichert leise über ihren eigenen Witz und redet sofort weiter:
„Jetzt zu etwas ganz Wichtigem, also aufgepasst – meine Schwächen: Im Großen und Ganzen finde ich mich ja ziemlich gelungen. Was ich mag: Sprüche von Leuten, die noch klüger sind als ich. Außerdem bemühe ich mich immer zu sagen, was ich denke. Manche nennen es zwar exzentrisch, ich nenne es artgerecht.
Warum „Tintenzeit“? Ich habe keine Ahnung, warum. Vielleicht habe ich in meinem Leben schon so oft Dinge gemacht, ohne das Warum zu kennen, dass ich es erst gar nicht mehr hinterfrage. Vielleicht schreibe ich diese Seite aber auch, damit ich mir endlich goldene Lebensregeln ausdenken kann.“
Beim letzten Satz prustet Jette laut los und murmelt vor sich hin: „Ja, ich habe wirklich darüber nachgedacht, was sich als Lebensregeln eignen könnte. Also gut aufpassen, es geht los…
Meine goldenen Lebensregeln:
Bereue nichts! Das ist verschwendete Zeit. Nutze sie lieber, um aus deinen Fehlern zu lernen, anstatt dich verrückt zu machen über das, was du nicht mehr ändern kannst.
Sei ehrlich – aber sei dir bewusst, dass deine „Wahrheiten“ nicht für jeden gelten.
Sag immer, was du denkst. Aber wundere dich nicht, wenn es keiner hören will.“
Sie nickt noch einmal und scheint sehr zufrieden mit sich zu sein. Die Tasse Tee in der Hand, lehnt sie sich in ihrem Sessel zurück und scheint dich vergessen zu haben.
